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Pamukkale

Wie entstehen die Travertine?

Pamukkales weiße Terrassen sind keine Gesteinsformation, sondern die Ablagerung eines bis heute andauernden chemischen Vorgangs — das aus dem Untergrund austretende Wasser lässt hier den Kalk zurück, den es mit sich trägt.

Der unterirdische Teil

Die Geschichte beginnt nicht an der Oberfläche, sondern Hunderte Meter darunter. Regenwasser sickert in die Kalksteinschichten ein und erwärmt sich in der Tiefe. Unter Druck ist der Anteil des im Wasser gelösten Kohlendioxids hoch; kohlendioxidreiches Wasser wiederum löst Kalkstein.

So erreicht das aufsteigende Wasser die Oberfläche, beladen mit so viel Kalziumkarbonat, wie es tragen kann. In Pamukkale sind es nahezu siebzehn Hauptquellen, die dies bewirken, und die Temperatur, mit der sie an die Oberfläche treten, liegt zwischen 35 und 56 °C.

Was geschieht, wenn der Druck sinkt

In dem Moment, in dem das Wasser die Oberfläche erreicht, fällt der Druck von ihm ab. Das darin enthaltene Kohlendioxid entweicht als Gas in die Luft — derselbe Vorgang wie die Bläschen in einer geöffneten Mineralwasserflasche, nur viel langsamer.

Sobald das Kohlendioxid entwichen ist, sinkt die Fähigkeit des Wassers, den gelösten Kalk zu halten. Es muss den Teil abgeben, den es nicht mehr tragen kann, und das Kalziumkarbonat beginnt, sich in Form von Kalzitkristallen abzusetzen. Der zunächst abgelagerte Stoff ist weich; mit der Zeit härtet er aus und wird zu Travertin.

Deshalb wird die Travertinoberfläche nicht durch das Brechen von Gestein geformt, sondern durch den Fließweg des Wassers. Wo das Wasser fließt, lässt es dort den Kalk zurück; ändert sich der Fließweg, beginnt an anderer Stelle eine neue Terrasse zu entstehen, während die alte austrocknet und verschmutzt.

Die Staffelung der Terrassen

Die Ablagerung beschleunigt sich dort, wo die Strömung langsamer wird. Das Wasser, das sich hinter einem kleinen Hindernis staut, bleibt länger stehen, lässt mehr Kalk zurück und erhöht das Hindernis; das höhere Hindernis hält wiederum mehr Wasser zurück. Dieser sich selbst verstärkende Kreislauf gliedert den Hang nicht in eine flache Schicht, sondern in übereinanderliegende Becken.

Auch die gezackten, spitzenartigen Vorsprünge an den Beckenrändern haben denselben Grund: Dort läuft das Wasser am meisten über und lässt dort am meisten Kalk zurück. Aus der Nähe betrachtet zeigt sich, dass die Oberfläche nicht glatt ist, sondern aus winzigen Stufen besteht.

Der Grund der Weiße und ihre Grenze

Reines Kalziumkarbonat ist weiß; die Farbe der Terrassen ist deshalb ein ungefärbtes Weiß. Doch die Weiße bleibt nur erhalten, solange die Oberfläche nass ist und die Ablagerung andauert. Die Bereiche, aus denen sich das Wasser zurückzieht, werden mit der Zeit durch Staub, Algen und Fußspuren grau.

Das ist der Grund, warum der Wasserfluss im Gelände heute gezielt gelenkt wird und die Regel des Barfußgehens gilt: Die Terrasse ist kein Denkmal, sondern eine Oberfläche, die fortlaufend gepflegt wird. Auch die roten Ablagerungen in Karahayıt sind derselbe Vorgang — dort verändert der Eisengehalt des Wassers die Farbe.

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