Ploutonion — Das Höllentor
Eine antike Kultstätte, berühmt für das giftige Kohlendioxidgas, das aus dem Boden aufsteigt; in der Antike galt sie als Tor des Unterweltgottes Pluto.
Der Kult und das giftige Gas
Das Ploutonion war ein heiliger Bezirk, der dem Unterweltgott Pluto geweiht war und unmittelbar neben dem Apollontempel lag. Das aus den Felsspalten aufsteigende Kohlendioxidgas war hier so konzentriert, dass es sich nähernde Tiere binnen kurzer Zeit tötete; antike Schriftsteller beschrieben diesen tödlichen Dunst ausführlich.
Die Priester des Tempels (die Galli) traten in das Gas hinein und kamen unversehrt wieder heraus, wodurch der Eindruck entstand, der Gott schütze sie; mit diesem Schauspiel bekräftigten sie die Heiligkeit der Stätte. Heute versteht man dies nicht als Wunder, sondern als Wissen, das sich zunutze machte, dass sich das Gas dicht über dem Boden sammelte.
Die Wiederentdeckung
Die Lage der Stätte war lange umstritten; die von Francesco D'Andria von der Universität Salento geleiteten Grabungen brachten mit den 2013 bekannt gegebenen Funden das Tor, das davorliegende heilige Becken und die für Zuschauer errichteten steinernen Sitzreihen ans Licht. Die zahlreichen rund um das Tor gefundenen Öllampen gelten als Hinweis darauf, dass die Rituale auch nachts fortgesetzt wurden — diese Deutung stammt vom Grabungsteam und wird weiter diskutiert.
Die Entdeckung legte ein Bauwerk frei, das sich mit der Beschreibung der antiken Autoren — ein Tor, hinter dem den Eintretenden ein tödlicher Dunst empfängt — genau deckt: ein kleiner Steinbogen über einem Höhlenmund, aus dem Thermalwasser und Gas austreten.
Was die Wissenschaft heute sagt
Die 2018 veröffentlichten Messungen des Geobiologen Hardy Pfanz und seines Teams, die die Stätte untersuchten, zeigten, dass der Kohlendioxidanteil am Höhlenmund 91 Prozent erreicht. Da das Gas schwerer als Luft ist, bildet es vor allem in den Stunden der Morgen- und Abenddämmerung, bevor die Sonne die Schicht auflöst, einen tödlichen 'See' dicht über dem Boden; das ist die physikalische Erklärung für die in den antiken Quellen überlieferten Todesfälle.
Diese Befunde offenbaren auch die Logik hinter dem Schauspiel der antiken Priester: Während der Kopf eines aufrecht stehenden Menschen über der tödlichen Gasschicht blieb, verharrte ein sich zum Boden beugendes Tier mitten im Gas. Das Gas ist bis heute aktiv — Insekten und Kleintiere, die in den Bereich geraten, verenden noch immer.
Besuch
Das Ploutonion liegt im selben Bereich wie der Apollontempel und das antike Theater; diese drei Bauwerke werden meist gemeinsam auf einem einzigen Rundgang besichtigt. Die Bedeutung der Stätte liegt weniger im Sichtbaren als in der Geschichte, die sie erzählt — das Lesen einer kurzen Informationstafel oder eine geführte Tour bereichert den Besuch deutlich.
